Was treibt Frank-N-Furter auf der U.S.S. Voyager?
Kira hatte Sissi Neruda erst vor kurzem kennengelernt. Wir sich jedoch herausstellte, teilten die beiden einen Leidenschaft für die Musik. Sissi bevorzugte besonders ein Musical namens "Rocky Horror Show". Bislang hatte Kira nur von diesem Musical gehört, fand es aber äußerst interessant. Die beiden Frauen beschlossen, sich mal etwas gutes zu tun und sich eine Aufführung dieses Musicals auf dem Holodeck anzuschauen. Endlich hatten sie einen Abend gefunden, an dem beide Zeit dazu hatten. Das war an Bord der Voyager manchmal gar nicht so einfach.
Sie nahmen in zwei bequemen Sesseln nahe der Bühne platz. Die Aufführung war toll, denn Sissi hatte die Holodeckzuschauer so programmiert, daß sie alle mitmachten. Doch plötzlich verschwand die holographische Projektion der Hauptfigur: Frank-N-Furter. Leicht verwirrt schauten sich die beiden Frauen an. "Computer, Projektion Frank-N-Furter reaktivieren!", forderte Kira. Nichts passierte und der Computer blieb still.
"Computer, Programm Rocky beenden und von der zuletzt gezeigten Szene neu starten", befahl Sissi. Diesmal tat sich wirklich etwas. Allerdings nur insoweit, daß das Programm beendet wurde. Ein Neustart schien jedoch nicht möglich zu sein.
"Na super!", meinte Kira. "Unser schöner Abend ist wohl gelaufen. Wir werden B´Elana darüber informieren müssen, daß wir wieder ein Problem haben."
"Die Ärmste tut mir leid. Ihr momentaner Zustand macht das Ganze noch schwieriger. Ich schlage vor, wir arrangieren ein neues Treffen, sobald das Holodeck wieder funktionstüchtig ist", schlug Sissi vor.
"Einverstanden!"
Beide Frauen verließen das Holodeck und zurück blieb ein leerer, kalter Raum.
Fast zur gleichen Zeit machte sich B'Elana nach einem anstrengenden Tag auf den Weg
zu ihrem Quartier. In letzter Zeit fiel ihr die Arbeit immer schwerer, aber das Schiff
brauchte sie. Plötzlich stockte sie. Im Gang stand ihr ein spärlich bekleideter Mann in
Strapsen, Mieder, hochhackigen Schuhen und grell geschminktem Gesicht gegenüber.
Verwirrt rieb sie sich die Augen. Sollte sie wieder einmal Halluzinationen haben? Mit
Schrecken dachte sie an ihre Begegnung mit dem Tribble. Da begann der Mann jedoch zu
sprechen. "Wer hat Sie denn zu meiner Party eingeladen und vor allem wo ist Riff Raff?"
Da sie nicht antwortete und ihn nur aus großen Augen und offenen Mund anstarrte, kam
er mit wogendem Schritt auf sie zu. "Keine Angst, Kleines. Bei mir brauchst Du keine
Einladung." Er ergriff ihre Hand und küßte sie darauf mit seinen feuchten, blutrot
geschminkten Lippen.
Daraufhin löste sie sich aus ihrer Spannung, zog ihre Hand hastig zurück und lief weg.
Hinter der nächsten Ecke lief sie Chakotay völlig verstört in die Arme. Dieser versuchte
erst mal, die aufgebrachte Halbklingonin zu besänftigen. "Beruhige Dich doch, B'Elana",
sprach er auf sie ein. "Was ist denn passiert?"
B´Elana schaute ihn noch immer mit aufgerissenen Augen an und schnappte nach Luft. "Dort hinter
der Ecke ist mir gerade ein grell geschminkter Mann in Mieder und Strapsen begegnet", sprudelte sie heraus.
Leicht erstaunt schaute Chakotay seine Freundin an und schüttelte innerlich seinen Kopf.
Sollte dies wieder eine ihrer merkwürdigen Anwandlungen sein? Um aber Frieden zu
bewahren, antwortet er: "Okay, Liebling. Schauen wir mal nach, ob dort hinter der Ecke
wirklich ein solcher Mann steht."
Gemeinsam gingen sie zu der Stelle zurück, an der B'Elana ihre unheimliche Begegnung hatte. Dort
war natürlich keiner mehr. Ein wenig säuerlich wandte Chakotay sich an B'Elana. "Kann es
sein, daß Du einfach ein wenig überarbeitet bist?" Noch ehe sie antworten konnte, fuhr
er fort. "Ich ordne jedenfalls zwei Tage dienstfrei an und Du meldest Dich vorsichtshalber
auf der Krankenstation. Das ist ein Befehl."
So langsam machte er sich über ihr komisches Verhalten in letzter Zeit Gedanken.
Mißmutig zog B'Elana ab.
Doch sie sollte nicht die einzige sein, die von diesem unheimlichen Mann verfolgt
werden sollte.
Lisa lag in ihrem Bett und wollte gerade einschlafen, als sich plötzlich die Tür öffnete.
Tom konnte es nicht sein, der hatte heute Nachtwache auf der Brücke. Ob es wohl ihr
Bruder war, aber um diese Zeit? Während sie sich noch wunderte, betrat die Person ihr
Zimmer. Es war dunkel und sie konnte nicht viel erkennen. Sie rief den Namen ihres
Freundes und ihres Bruders. Keine Antwort, aber die Person kam immer näher. Im
einfallenden Sternenlicht von draußen sah sie schließlich das merkwürdig geschminkte
Gesicht eines Mannes. Bevor sie noch etwas sagen konnte, beugte er sich über sie und
grinste unverschämt.
"Wer, wer sind Sie?!", brachte sie stotternd hervor.
"Er legte seinen Finger auf ihre Lippen. "Pst, mein Name ist Frank und eigentlich suche ich nach Brad und Janet."
Lisa stützte sich mit den Ellbogen auf der Matratze ab und richtete ihren Oberkörper halb
auf. "Wer sind Brad und Janet? Ich kenne keine Besatzungsmitglieder mit solchen
Namen."
Der Mann sah ihr in die Augen und Lisa war von seinem diabolischen Blick wie
paralysiert. Seine Lippen kamen ihrem Kopf arg nahe und obwohl alles in ihr nach Hilfe
schrie, konnte sie sich nicht bewegen. Frank stützte sich mit seiner rechten Hand neben
ihrem Körper auf der Matratze ab und strich ihr mit seiner linken übers Haar. "Das ist
auch nicht wichtig", hauchte er. "Wen interessieren schon Namen!" Damit versenkte er
seinen Kopf in den Raum zwischen ihrem Hals und ihrer Schulter. Lisa wollte schreien,
aber alles was aus ihrem Mund kam, war leises röcheln und stöhnen. Erst als er sich
weiter an ihrem Körper nach unten arbeitete regte sich in ihr noch einmal der Widerstand.
"Aufhören!", forderte sie, doch es klang nicht halb so bestimmt, wie sie es sich eigentlich
vorgenommen hatte.
Deshalb dachte Frank auch nicht im entferntesten daran, diese
Aufforderung ernst zu nehmen. Er unterbrach zwar einen Moment, doch nur um am
Anfang wieder zu beginnen. Und obwohl Lisa sich in diesem Moment irgendwie selbst
haßte, mußte sie sich selbst zugeben, daß sie gefallen daran fand.
Später, als der Mann wieder verschwunden war beschloß sie, niemandem etwas von diesem
Vorfall zu erzählen. Man würde sie vermutlich für verrückt erklären.
Tuvok saß in seinem abgedunkelten Quartier und führte Gespräche mit seinen geliebten
Pflanzen, als die Tür sich öffnete und ein Mann eintrat. Tuvok wollte aufspringen und
seine Leute vom Sicherheitsteam rufen, doch der Mann war schnell näher getreten und
warf ihm ein verführerisches Lächeln zu. Irritiert und gegen die Logik kämpfend,
versuchte Tuvok, dem Blick auszuweichen, es half nichts. Von dem Wesen, denn Tuvok
entschied, es als solches zu bezeichnen, ging eine unerklärliche Aura aus, welcher auch er
sich einfach nicht entziehen konnte. Tuvok mühte sich redlich, seine mentalen Schilde
auf volle Leistung zu bringen, doch die Kraft des Fremden war stärker. Erschöpft und
wohl auch etwas frustriert über seine eigene Unfähigkeit lehnte sich der Vulkanier gegen
die Kabinenwand. Das Wesen, welches noch nicht ein einziges Wort gesprochen hatte,
sah das wohl als eine Art Aufforderung und kam Tuvok bedrohlich nahe. Der sah nur
noch einen einzigen Ausweg: FLUCHT !!! Aus diesem Grund tauchte er unter dem
Wesen weg, stolperte aber über den Fuß des Fremden und landete recht unsanft und vor
allem ungewollt auf seinem Kabinenbett. Als er sich umdrehte sah er in das grinsende
Gesicht des Wesens, das inzwischen über ihm kniete. Fast zärtlich umfuhr der Fremde
mit einem Finger Tuvoks Ohr.
"Was für eine interessante Form", hauchte er plötzlich und
Tuvok verspürte einen Schauer, der durch seinen Körper raste. "Ich bin Vulkanier",
antwortete er in der nüchternsten Art, die er in diesem Moment zustande brachte. "Da
sind solche Körperformen ganz normal."
"Interessant", kommentierte das Wesen diese Aussage. "Welche Körperformen sind denn
bei Vulkaniern noch normal?" Tuvok konnte deutlich hören, daß er keine Antwort auf
diese Frage erwartete. Statt dessen begann er an Tuvoks spitzen Ohren zu knabbern und
fingerte an dessen Körper herum, fest entschlossen die Antwort auf seine Frage selbst
herauszufinden.
Nun hielt der Vulkanier es nicht länger aus. >Nichts wie raus hier<, schoß es ihm durch
den Kopf. Für einen Moment dachte er daran, nach der Sicherheit zu rufen, doch in
Anbetracht seiner derzeitigen Lage verzichtete er lieber darauf. Er versuchte es mit dem
Überraschungseffekt. Blitzschnell drückte er den Eindringling von sich weg und sprang vom
Bett. Doch er hatte das Wesen arg unterschätzt. Er kam keine zwei Meter, als er von
hinten zu Fall gebracht wurde. Der Fremde hatte ihn einfach am Fuß festgehalten und ihn
so auf den Bauch klatschen lassen.
"Aber, aber", hörte er ihn sagen. "Ich bin Dr. Furter und man braucht doch nicht vor mir
wegzulaufen, im Gegenteil." Mit diesem Worten hatte er Tuvoks Körper erklommen und
zerrte nun in unmißverständlicher Weise an dessen Sachen herum.
"Hören Sie, ich habe einen Frau!", versuchte Tuvok dem Einhalt zu gebieten.
Dr. Furter unterbrach für einen Moment seine Handlung und schaute dem Vulkanier ins
Gesicht. "Danke für das Angebot, aber im Moment reicht mir was ich habe."
"Oh, Sie!!" Tuvok vergaß kurzerhand seine vulkanische Herkunft und wollte dem Wesen
gehörig die Meinung sagen. Doch noch bevor er noch einen Ton herausbringen konnte,
hatte Furter Tuvoks Mund mit dem seinen verschlossen.
Schließlich erlagen immer mehr Besatzungsmitglieder dem Charme und der Erotik dieses
Mannes. Nur zwei blieben komischerweise verschont, Kira und Sissi. Sie beschlossen,
zusammen einen Weg zu finden, um gegen dieses Holobild vorzugehen, obwohl sie
fanden, daß die Storys, die sie immer öfters zu hören bekamen wirklich köstlich waren.
So ließen sie sich ein klein wenig Zeit, das Problem zu bekämpfen. An einem Abend
berieten sie sich jedoch dann, was man tun könnte.
"Wer hätte gedacht, daß so ein netter
Abend auf diese amüsante Weise enden könnte. Wären die Auswirkungen auf die Crew
nicht so fatal, würde ich am liebsten gar nichts unternehmen. Die Geschichten der
anderen sind wirklich genial." eröffnete Kira das Gespräch.
"Das stimmt. Der Gute hat ja sogar unseren lieben Mr. Tuvok rumgekriegt. Dazu gehört
sicher schon wirklich einiges. Ich glaube aber auch, daß es Zeit ist, hier mal ein wenig zu
intervenieren, sonst wird aus dem Schiff noch eine Orgie."
"Ich bin ganz Deiner Meinung. Was schlägst Du also vor zu tun?"
"Wir müßten ihn irgendwo aufspüren und um ihn ein Kraftfeld aktivieren. Wie dann mit ihm zu verfahren
ist, sollten wir den Experten überlassen."
"Gute Idee", fand Sissi. "Machen wir uns an die Arbeit."
Vorher wollten sie das Ganze aber mit dem Captain besprechen, falls das zur Zeit überhaupt
möglich war. Auch wenn es ihnen normalerweise nicht gestattet war, so machten sie sich
trotzdem auf den Weg zur Brücke. Das Kraftfeld hatten sie schon vorher programmiert,
so daß man es nur noch zu aktivieren brauchte. Als sie die Brücke betraten, bot sich ihnen
jedoch ein sehr denkwürdiger Anblick. Dort standen sie alle: Janeway, Chakotay, Kim,
Tuvok, Lisa, Micaela und Tom, in zwei Reihen aufgestellt. Aus dem Computer ertönte
die Melodie des ihnen sehr gut bekannten Liedes: "Time Warp Dance". Im Stuhl des
Captain saß eine Person, die hier natürlich nicht fehlen durfte. Frank-N-Furter. Er
lümmelte in dem Sessel und hatte die Lehne mit seinen Armen umschlossen. Gerade
ertönte "It's just a jump to the left" und alle hüpften nach links. Es war ein Bild für die
Götter. Sie alle sahen sehr verschwitzt aus und Janeways Dutt hatte sich auch
verabschiedet. Die Tanzerei schien wohl schon länger zu dauern.
Wäre die Lage nicht so ernst gewesen, hätten sie noch stundenlang zuschauen können.
Doch das wollten sie den anderen nicht antun. Vor Lachen prustend, befahl Sissi
schließlich: "Computer! Kraftfeld auf die Person im Sessel des Captains zentrieren und
aktivieren!"
Sie hatten an alle Schikanen, dieses Mannes gedacht und so schafften sie es, daß
Kraftfeld zu aktivieren. Da sie nicht wußten wie der Mann oder die Projektion auf das
Kraftfeld reagieren würde, waren sie erstaunt, daß die Figur tatsächlich sofort
verschwand, als sie das Kraftfeld aktivierten.
"Computer! Kraftfeld deaktivieren." befahl Kira. Das Kraftfeld verschwand, und auch der
Mann blieb verschwunden. Der ganze Spuk war offensichtlich vorbei. Beide hofften, daß
er auch tatsächlich verschwunden blieb und beschlossen, die nächste Vorstellung auf
unbestimmte Zeit zu verschieben. Mit der Aktivierung des Kraftfeldes hatte auch die Musik
aufgehört und die Brückenbesatzung hörte auf zu tanzen. Sie hielten in ihrer Bewegung
inne, was äußerst komisch aussah, da sie gerade die komischsten Verrenkungen gemacht
hatten. Verwirrt blickten sie sich um. Schließlich fand der Captain als erste ihre Sprache
wieder, als sie Sissi und Kira entdeckt hatte.
"Was ist passiert? Was tun wir hier?" Etwas desorientiert schaute Janeway sich um und
versuchte ihre verschwitzten Haare aus dem Gesicht zu bekommen.
"Och, nichts besonderes", antwortete Kira und versuchte ernst zu bleiben. "Es gab hier nur
gerade ein kleine Tanzveranstaltung. Wir haben den Spuk um diesen ominösen Mann
jetzt wohl aber beendet. Sie können also beruhigt weiterarbeiten. Wir werden dies jetzt
jedenfalls tun."
Damit verschwanden die beiden Frauen im Turbolift. Als sich die Tür
hinter ihnen geschlossen hatte, konnten sie sich wirklich nicht länger beherrschen und
setzten sich prustend und lachend auf den Kabinenboden. Als sie sich endlich wieder
einigermaßen beruhigt hatten, gingen sie ihrer Wege. Eigentlich, fanden beide, bringen
solche Sachen doch immer wieder ein wenig Farbe in den öden Alltag und Sissi fragte
sich verärgert, weshalb Frank-N-Furter ausgerechnet sie nicht besucht hatte.
"Magenta! Riff-Raff! Columbia!"